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19.04.09
EPS Forum Physics and Society III


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28. Nov. 2009
Jahresversammlung um 10.30 Uhr

Energiekolloquium
um 14.00 Uhr

Tief in der lettischen Provinz in Ratnieki nahe der russischen und estländischen Grenze fand am 15/16.4.09 im Tagungszentrum der Universität Lettlands (eines modern umgestalteten Gestüts) die dritte Fachtagung der European Physical Society (www.eps.org) zur bildungspolitischen Ausrichtung der Physik innerhalb Europas statt.
Die 44 Teilnehmer / Repräsentanten von 16 Staaten Europas, unter ihnen auch das NWF (Liechtenstein Scientific Society), bekannten sich zur Verantwortung der physikalischen Bildungsgemeinschaft für die derzeitige und zukünftige Gesellschaft. Zwar wurde wiederum festgestellt, dass die Physik nicht zu den (leider gerade bei Schülerinnen) beliebtesten Fachrichtungen während der schulischen und nachfolgenden Ausbildung zählt, unverkennbar ist jedoch sowohl der Bedarf an Physik für die Wirtschaft als auch deren Bedeutung für die Gesellschaft. Welche Fachschaft - wenn nicht die Physik - sollte gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie diesen darauf (naturwissenschaftlich begründet) hinweisen, dass sich die Welt statt um Geld vielmehr (aus schönen Symmetriegründen heraus) um einen Gravitationsschwerpunkt dreht und es sowieso vor allem auf die Energie ankommt, bei letzterer sowohl für die Bewegung (sogenannter toter) Materie, der Existenz geordneter Strukturen bishin zum Leben als solchen. Und genau diese natürliche Sichtweise auf die Welt muss während der schulischen Ausbildung allen Schülern vermittelt werden.
In diesem Zusammenhang stellte die EPS fest, dass die Physikausbildung nicht auf eine Filterfunktion für zukünftige Forscher/Entwickler zu beschränken ist, sondern für alle Schüler einen tiefsitzenden und somit bleibenden Eindruck für die Bewältigung der künftigen Lebenserfordernisse zu vermitteln hat. Dazu wird in der schulischen Lehre zukünftig die Durchführung von einfachen und realitätsnahen Experimenten mit einer naturwissenschaftlichen Erklärung Vorrang vor der mathematisch formalistischen Beschreibung sowie vor (zugegeben begeisternden) koriosen Randeffekten haben. Es ist nämlich gerade nicht die Aufgabe der Physik, einer späteren (zu) einfachen Sichtweise auf Probleme, wie sie von esoterischen und religiösen Kräften nur zu gern aufgegriffen wird, Vorschub zu leisten. Vielmehr sollen die Schüler in die Lage versetzt werden, aus einer universellen naturwissenschaftlichen Weltanschauung heraus, selbst einfache Probleme des Alltags zu überdenken, "auf den Punkt zu bringen" und letztendlich selbst zu lösen. Da dies freilich von deren Komplexität und den individuellen Fähigkeiten der Schüler abhängt, konzentriert sich die schulische physikalische Ausbildung demnächst europaweit (wozu auch Liechtenstein als Teil des EWR zählt) harmonisiert auf drei Schwerpunkte:
"Physik für Alle", worunter die Erklärung von Effekten des alltäglichen Lebens zu verstehen ist;
"Physik für Interessierte", worunter die Vermittlung von Fertigkeiten zur späteren Anwendung physikalischer Modelle zu verstehen ist;
"Physik für Selektierte", worunter die Wissensbasis zur späteren Fortentwicklung des physikalischen Weltbilds zählt.
Selbstverständlich fanden die Teilnehmer während der mehrtägigen Tagung auch noch hinreichend Freiraum für Diskussionen über die anderen interessanten Probleme dieser Welt und genossen dabei die Gastfreundschaft Lettlands - ein kleines Land übrigens, dessen Wirtschaft nach der Herauslösung (1991) aus der Sowjetunion immer noch bzw. bereits wieder schier am Boden liegt.
Einigkeit mit dem amtierenden sowie mehreren vorhergehenden Präsidenten der mit 100.000 Physikern grössten Wissenschaftsorganisation der Welt konnte vom Repräsentanten Liechtensteins bspw. bezüglich der kurzfristigen essentiellen Herausforderungen für die weltweite Energie- und Wasserversorgung festgestellt werden. Insbesondere die moderne Kerntechnik wird übergangsweise neben späteren alternativen (erst sinnvoll, wenn die Gesamtenergiebilanz nachhaltig positiv ist) Kraftwerken die drohende Versorgungslücke schliessen müssen. Auch Liechtenstein sollte ganz konkret und rechtzeitig über seine (derzeit noch zu schier 100%) vom Ausland abhängige, eigene Energieversorgung nachdenken, denn Geld (welcher Helligkeit auch immer) kann man prinzipiell nicht in Energie umwandeln.
In diesem Zusammenhang darf bereits heute die interessierte Leserschaft auf das diesjährige Energiekolloquium des NWF am Samstag, den 28.11.09 hingeweisen werden. Vortragen werden dort voraussichtlich Vertreter des Fraunhofer-Instituts, der Deutschen Physikalischen Gesellschaft sowie die IBM (CH).